Expert Talk Energie:

E-Mobilität – langsames und schnelles Laden als Infrastrukturaufgabe

19.5.2026

Am 19. Mai 2026 lud die CMG zum Expert Talk „Energie 2050“ ein, um aktuelle Entwicklungen rund um Elektromobilität und Ladeinfrastruktur praxisnah zu diskutieren.

Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen und Chancen von langsamem und schnellem Laden, bidirektionalen Anwendungen sowie innovativen Infrastrukturkonzepten für den Schwerverkehr. Die Teilnehmenden erhielten spannende Einblicke in Forschung, Pilotprojekte und technologische Entwicklungen, die zeigen, wie Elektromobilität zunehmend zu einem zentralen Baustein der Energiewende wird.

Hier fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:

1. Das Elektroauto als Stromspeicher – vom Problemkind zum Gamechanger

Kurt Leonhartsberger, MSc., Experte für integrierte Energiesysteme und Flexibilitätslösungen bei impeect GmbH, zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial Elektrofahrzeuge künftig als flexible Stromspeicher bieten können. Bereits heute könne Elektromobilität einen erheblichen Beitrag zur Netzstabilität leisten und Pumpspeicherkraftwerke teilweise ergänzen.

Im Fokus standen dabei insbesondere bidirektionale Anwendungen:

  • Vehicle-to-Load (V2L): Versorgung externer Geräte direkt über das Fahrzeug
  • Vehicle-to-Home (V2H): Nutzung des Fahrzeugspeichers zur Versorgung von Gebäuden
  • Vehicle-to-Grid (V2G): Rückspeisung von Energie ins öffentliche Netz

Leonhartsberger betonte, dass bidirektionales Laden technisch bereits möglich und in Österreich grundsätzlich auch rechtlich zulässig sei. Erste Pilotprojekte und Demonstrationen zeigen bereits erfolgreiche Anwendungen in Gemeinden, Unternehmen und Forschungsprojekten.

Besonders hervorgehoben wurden:

  • Elektromobilität als flexible Speicherlösung für volatile Energiesysteme
  • Potenziale zur Senkung von Energiekosten durch intelligente Steuerung
  • Möglichkeit zusätzlicher Erlösquellen durch Netzdienstleistungen
  • Kombination von E-Mobilität mit Photovoltaik und Energiemanagementsystemen

Gleichzeitig wurden offene Herausforderungen diskutiert:

  • fehlende standardisierte Fahrzeugunterstützung
  • proprietäre Lösungen vieler Hersteller
  • offene Garantiefragen bei bidirektionaler Nutzung
  • rechtliche Unsicherheiten bei Leasingfahrzeugen
  • fehlende Integration in herstellerübergreifende Energiemanagementsysteme

Kurt Leonhartsberger zog dennoch ein positives Fazit: „Es ist angerichtet“ – die technologischen Grundlagen seien vorhanden, nun brauche es Standards, Skalierung und wirtschaftliche Umsetzung.

2. Megawatt-Charging „Made in Austria“ – neue Infrastruktur für den Schwerverkehr

Univ.-Prof. Dr. Markus Makoschitz von der Montanuniversität Leoben und dem AIT Austrian Institute of Technology präsentierte innovative Konzepte für Multi-Megawatt-Ladeinfrastruktur im Schwerverkehr.

Ausgangspunkt seiner Analyse war die rasch steigende Bedeutung elektrischer Nutzfahrzeuge. Während Elektroautos bereits deutliche Marktanteile erreichen, steht der Schwerverkehr erst am Beginn der Transformation. Gleichzeitig entstehen dadurch enorme Anforderungen an die Ladeinfrastruktur.

Makoschitz erläuterte die Herausforderungen großer Ladeparks:

  • sehr hohe Leistungsanforderungen im Multi-Megawatt-Bereich
  • erheblicher Bedarf an Netzkapazität
  • steigende Material- und Kupferkosten
  • Effizienz- und Skalierungsanforderungen für künftige Ladehubs

Im Zentrum des Vortrags stand das Forschungsprojekt „MEDUSA“, ein österreichisches Konzept für skalierbare Multi-Megawatt-Ladehubs. Dieses setzt auf:

  • Mittelspannungsanbindung
  • Solid-State-Transformer-Technologien
  • dezentrale Leistungsarchitekturen
  • hohe Effizienz und reduzierte Materialkosten
  • bessere Integration erneuerbarer Energien und Batteriespeicher

Besonders hervorgehoben wurden die Vorteile moderner Wide-Bandgap-Halbleiter (SiC-MOSFETs), die erstmals wirtschaftlich sinnvolle direkte Mittelspannungsanbindungen ermöglichen. Dadurch könnten Ladeinfrastrukturen deutlich kompakter, effizienter und ressourcenschonender aufgebaut werden.

Makoschitz machte deutlich, dass Österreich in diesem Bereich über starke Forschungskompetenz verfügt und aktiv an der Entwicklung zukünftiger Ladeinfrastruktur beteiligt ist.

3. Ladeinfrastruktur als Schlüssel der Mobilitätswende

Im gemeinsamen Austausch wurde deutlich, dass Ladeinfrastruktur weit mehr ist als reine Stromversorgung. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem intelligenten Energiesystem, das Mobilität, Stromnetz, Speicher und erneuerbare Energien miteinander verbindet.

Diskutiert wurden unter anderem:

  • intelligente Lastverteilung und Netzstabilisierung
  • Integration von Batteriespeichern und Photovoltaik
  • Anforderungen an Schnellladehubs entlang hochrangiger Verkehrsachsen
  • europäische Vorgaben durch die AFIR-Verordnung
  • neue Geschäftsmodelle rund um Flexibilität und Energiemanagement

Die Vortragenden waren sich einig, dass Elektromobilität künftig nicht nur Verbraucher, sondern auch aktiver Bestandteil des Energiesystems sein wird.

👉 Ausblick: Die CMG wird die Entwicklungen rund um Energie, Infrastruktur und Digitalisierung weiterhin begleiten. Im Fokus zukünftiger Veranstaltungen stehen weiterhin praxisnahe Lösungen für Gemeinden, Unternehmen und Energieakteure, die die Energiewende aktiv mitgestalten möchten.

Save the Date: Die 2. Herbsttagung der CMG findet am 18. November 2026 statt. Auch hier werden wieder praxisnahe Einblicke und aktuelle Entwicklungen rund um die Energiezukunft präsentiert.