Expert Talk Energie:
Die Zukunft der Wärmeversorgung –
Zwischen Regulierung und Innovation
15.9.2026
Am 15. September 2026 lud die CMG zum Expert Talk „Energie 2050“ ein, um aktuelle Entwicklungen rund um die Zukunft der Wärmeversorgung und die damit verbundenen rechtlichen, technologischen und organisatorischen Herausforderungen zu diskutieren.
Im Mittelpunkt standen die regulatorischen Rahmenbedingungen der Wärmewende, neue Möglichkeiten zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren sowie das Potenzial der Tiefengeothermie als nachhaltige Wärmequelle. Die Teilnehmenden erhielten praxisnahe Einblicke in aktuelle gesetzliche Entwicklungen und innovative Infrastrukturprojekte, die zeigen, wie die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Österreich vorangetrieben werden kann.
Hier fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:
1. Wärmewende – rechtliche Grundlagen und aktuelle regulatorische Entwicklungen
RA Mag. Dr. Marie Sophie Reitinger, Counsel für Energie- und Umweltrecht bei KPMG Law, gab einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Wärmewende und die damit verbundenen Herausforderungen für die Umsetzung nachhaltiger Wärmeprojekte.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG), das neue Möglichkeiten zur Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energieanlagen schafft.
Reitinger erläuterte, wie europäische Vorgaben den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben und welche neuen Genehmigungsverfahren künftig für Wärmeprojekte relevant werden. Dazu zählen insbesondere vereinfachte Prüfungen in ausgewiesenen Beschleunigungsgebieten sowie die Bündelung behördlicher Entscheidungen in einem Verfahren.
Das EABG ist seit Juni 2026 in Kraft. Wesentliche Bestimmungen zum neuen Genehmigungsverfahren werden mit 1. Jänner 2027 wirksam.
Reitinger verdeutlichte, dass effiziente Genehmigungsverfahren und geeignete rechtliche Rahmenbedingungen entscheidende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wärmewende sind. Gerade bei komplexen Projekten wie der Tiefengeothermie können vereinfachte Verfahren dazu beitragen, die Umsetzung erneuerbarer Wärmeprojekte zu erleichtern.
2. Tiefengeothermie in Wien – eine nachhaltige Wärmequelle für die Zukunft
Dr. techn. Rusbeh Rezania, Geschäftsführer der deeep Tiefengeothermie GmbH, präsentierte das Potenzial der Tiefengeothermie und zeigte, wie diese erneuerbare Wärmequelle künftig in das Wiener Fernwärmenetz integriert werden kann.
Im Mittelpunkt stand die hydrothermale Tiefengeothermie, bei der heißes Thermalwasser aus tiefen geologischen Schichten gefördert, zur Wärmegewinnung genutzt und anschließend wieder in den Untergrund zurückgeführt wird.
Besonders hervorgehoben wurden:
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Nutzung einer lokal verfügbaren und erneuerbaren Wärmequelle
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Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern
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Integration der Tiefengeothermie in bestehende Fernwärmesysteme
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Bedeutung strategischer Kooperationen für die Umsetzung großer Infrastrukturprojekte
Als konkretes Praxisbeispiel stellte Rezania das Projekt „Hydros Seestadt“ vor. Die erste Tiefengeothermieanlage Wiens wird von der deeep Tiefengeothermie GmbH, einem Joint Venture von Wien Energie und OMV, umgesetzt.
Die Anlage soll eine thermische Leistung von 20 MW erreichen und ist ein wichtiger Grundstein für den weiteren Ausbau der Tiefengeothermie in Wien. Nach erfolgreichen Förder- und Kreislauftests wird derzeit die Errichtung der oberirdischen Anlage vorbereitet. Die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant.
Rezania machte deutlich, dass Tiefengeothermie einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der städtischen Wärmeversorgung leisten kann. Dafür braucht es neben technologischer Innovation auch geeignete Förderinstrumente, effiziente Genehmigungsverfahren und eine enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren.
3. Die Wärmewende als gemeinsame Aufgabe
Im gemeinsamen Austausch wurde deutlich, dass die Transformation der Wärmeversorgung nur durch das Zusammenspiel von rechtlichen Rahmenbedingungen, technologischer Innovation und wirtschaftlich tragfähigen Infrastrukturprojekten gelingen kann.
Die beiden Vorträge zeigten, worauf es bei der Umsetzung besonders ankommt: Genehmigungsverfahren müssen effizient gestaltet, regionale Wärmequellen erschlossen und neue Technologien in bestehende Versorgungssysteme integriert werden. Gleichzeitig braucht es geeignete wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Energieversorgungsunternehmen, Forschung, Projektentwicklern und öffentlichen Institutionen.
Neue gesetzliche Instrumente wie das EABG und innovative Projekte wie Hydros Seestadt zeigen, wie die Wärmewende sowohl auf regulatorischer als auch auf technologischer Ebene vorangetrieben werden kann.
Die zentrale Erkenntnis des Expert Talks: Die Wärmeversorgung der Zukunft braucht sowohl geeignete rechtliche Rahmenbedingungen als auch innovative Technologien, um erneuerbare Wärmequellen erfolgreich und langfristig nutzbar zu machen.
👉 Ausblick: Die CMG wird die Entwicklungen rund um Energie, Infrastruktur und Digitalisierung weiterhin begleiten und praxisnahe Lösungen für Gemeinden, Unternehmen und Energieakteure in den Mittelpunkt zukünftiger Veranstaltungen stellen.
Jetzt anmelden: Die 2. Herbsttagung der CMG findet am 18. November 2026 im AKW Zwentendorf statt. Auch hier werden wieder praxisnahe Einblicke und aktuelle Entwicklungen rund um die Energiezukunft präsentiert.
Nähere Infos & Anmeldung unter: https://www.cmg-ae.at/event/energie-im-wandel-tagung-2026/




