Die am 27. Mai 2014 bei der Firma Wien Energie veranstaltete CMG-AE Tagung Steuerung und Regelung von Smart Grids und Smart Grid Applikationen wurde von Herrn FH-Prof. DI Dr. Thomas Sommer, Leiter des Institutes für Telekommunikation und Internettechnologien der Fachhochschule Technikum Wien, eröffnet und moderiert. Die Tagung ging der Frage nach wie und welche IKT Technologien sinnvoll im Smart Grid eingesetzt werden können. Es wurden 6 Vorträge von hochkarätigen Vertretern aus der Wirtschaft und Forschung präsentiert.
 
Marcel Vogl von RAD Data Communications D zeigte in seinem Vortrag Anforderungen und Lösungen im Smart Grid Umfeld an das IKT-Netz auf, dass die Welt der IKT-Netze (IKT – Informations- und Kommunikationstechnik) der Energieversorgungsunternehmen (EVU) sich in einem Wandel befindet. Smart-Grid, Smart-Meter, „Internet der Dinge" und neue Standards (IEC61850) sind die Haupttreiber für eine Modernisierung in ein rein paketorientiertes (IP, ETH) Datennetzwerk. Um das Netz zukunftssicher zu gestalten, gibt es verschiedene Migrationsstufen von SDH/PDH, zu Ethernet. Man spricht hier von einer „sanften" Migration bis hin zur kompletten Migration des bestehenden TDM basierenden IKT Netzes. Hierbei muss in Betracht gezogen werden wie Ausfallsicherheit, Latenzzeiten, Taktgenauigkeit auch nach der Migration, zu gewährleisten sind. Neue, meist abgelegene Standorte (Windkraftanlagen, Solaranlagen, Smart-Meter-Konzentratoren..), benötigen eine Anbindung an das IKT Netz. Hier gibt es Möglichkeiten über Funk, Punkt-zu-Multipunkt Richtfunk, Modem, PLC oder auch Mobilfunk (GSM, UMTS, HSDPA), um eine stabile, abhörsichere (VPN) und ausfallsichere Lösung zu gewährleisten. Ein Ethernet Zugang an allen Standorten, im oder außerhalb des IKT Netzes, bietet auch neue Angriffspunkte für Hacker. Einen bestmöglichen Schutz bietet hier eine verteilte, Service-Aware Firewall. Hinter jedem Zugangsport im Netz befindet sich eine Firewall, die nicht nur herkömmliche Funktionen erfüllt, sondern bis in die Protokollebene (IEC104, 101, 61850...) pro RTU, IED, SCADA etc., Befehle blocken oder zulassen kann.
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Der Vortrag Design von Kommunikationsnetzen mit Fokus Energienetzbetreiber von Thomas Gyoergyfalvay und Roman Zelenka, Konsulenten der Firma DI Dr. Hermann Bühler GmbH, beleuchtete die unterschiedlichen Kommunikationsnetze sowie –aspekte der Subsysteme von Smart Grids. Es wurden die Anforderungen an „smarte" Kommunikationsnetze dargestellt sowie auch gezeigt, dass die Anforderungen an die Kommunikationsinfrastruktur immer von den konkreten Anwendungen (Use Cases) abgeleitet werden müssen. Ausgewählte Aspekte wie Kostenbetrachtung sowie Informations- und Systemsicherheit wurden im Detail diskutiert.
 
Herr Günter Eisenkölbl von 3M Electro & Communication Markets Division 3M Österreich GmbH beschäftigte sich in seinem Vortrag damit, wie Sensorik kosteneffizient in bestehende Ortsnetzstationen integriert werden kann. Zukunftsfähige Energie Systeme benötigen mehr Information aus den Netzen, dabei liegt die Herausforderung an zukünftige Lösungen darin, dass diese kosteneffizient nachgerüstet werden können. Ein Beispiel an Hand der Integration von Mittelspannungssensorik zeigt, wie dies in der Praxis umgesetzt werden kann.
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Nach einer gemeinsamen Kaffeepause präsentierte Herr Prof. Ulrich Hofmann von Salzburg Research in seinem Vortrag IEC 61850 und IEEE 1588 über IP-Kommunikationsnetze die Bedeutung und den Einsatz von Internettechnologien im Smart Grid. Für Differential-Schutz-Anwendungen werden Phasor-Measurement-Werte mit IP-Multicast in Echtzeit übertragen. Dafür werden im IP-Router Weighted Fair Queuing und Priorisierung eingesetzt. Für die Demand-Response-Kommunikation ist (IEC61850-8-2 in Vorbereitung) das Internet-Chat-Protokoll XMPP vorgesehen. Der Smart Meter Feldversuch in Salzburg basiert auf den Internet-Standards CoAP, RPL, 6lowpan über ein vermaschtes Netzwerk im PLC-A-Band. Die Synchronisation von Messpunkten kann über PTP IEEE1588 erfolgen. Die Genauigkeit wird vom Multiplexen im Router wesentlich beeinflusst.
 
Ing. Wolfgang Baumgartner, Geschäftsführer, Schrack Technik Projekt- und Service GmbH hielt einen sehr hinreißenden Vortrag zum Thema Elektromobilität, Lademanagement - Funktionen des OCC Ladestellenmanagements: „Als erstes österreichisches Unternehmen bieten wir unseren Kunden eine Komplettübersicht über die verschiedenen Technologien der Elektromobilität, eine Darstellung unserer Produktauswahl, Praxisbeispiele anhand von Referenzen, einer Checkliste um Kunden immer den schnellsten Weg zur letztgültigen Information zu bieten." Unvergessen ist sein Statement „Elektrofahrzeuge sind einfach super".
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Zum Abschluss dieser Veranstaltung stellte Mikel Gindy von Cisco Systems Austria GmbH in seinem Vortrag Cisco Connected Energy Solution Architecture ein von Cisco mit Partnern aus der Wirtschaft und Forschung gemeinsam betriebenes Smart Metering Pilotprojekt vor.
 
Anschließend an die Tagung lud die CMG-AE die Tagungsteilnehmer zu einem gemeinsamen Mittagessen ein, bei dem die Themen der Tagung im gemütlichen Kreis weiter diskutiert wurden.